Was passiert, wenn ein ProfilPASS, eine digitale Web-App und ein innovatives Trainingsprogramm auf das Engagement lokaler Organisationen treffen, die sich für die soziale Integration von Migrantinnen in Europa einsetzen?
Es entsteht mehr als nur Projektergebnisse. Es entsteht gelebte Transformation.
In den vergangenen Monaten hat das Projekt EmpowerHer einen wichtigen Meilenstein erreicht: den Start lokaler Workshops in den Partnerländern, die Migrantinnen auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung, Beschäftigungsfähigkeit und der Anerkennung ihrer Kompetenzen unterstützen.
Das Konzept klingt auf dem Papier einfach: praktische Materialien bereitstellen, sichere Lernräume schaffen und Frauen dabei begleiten, ihre Fähigkeiten zu erkennen und zu stärken.
Die Realität ist jedoch vielschichtiger und deutlich komplexer.
Jede Organisation hat das Projekt an den eigenen Kontext, die Teilnehmerinnen und lokalen Bedingungen angepasst. So sind bereits drei unterschiedliche „Erfolgsformeln“ für die Umsetzung entstanden. Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Ziel: Inklusion fördern, Selbstvertrauen stärken und Frauen dabei unterstützen, ihre Zukunft aktiv zu gestalten.
Heute teilen wir die ersten Erfahrungen aus der Praxis – weitere werden folgen.
Deutschland: Selbstvertrauen stärken durch Biografiearbeit und Sprachlernen
In Deutschland werden die EmpowerHer-Workshops von zwei Organisationen umgesetzt: der Wisamar Bildungsgesellschaft, dem Projektkoordinator, sowie der Volkshochschule Leipzig (VHS), dem größten Erwachsenenbildungsinstitut der Region.
An der VHS Leipzig nahmen viele der Teilnehmerinnen zunächst individuelle Beratungen mit einer Trainerin für Deutsch als Fremdsprache in Anspruch. Diese Gespräche ermöglichten es, persönliche Hintergründe, Interessen und Lernbedarfe zu klären, bevor die eigentlichen Workshops begannen. Zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 nahmen zwölf Frauen aus der Ukraine, Russland, dem Iran, Spanien, Venezuela und Albanien an drei Workshop-Einheiten teil.
Bei Wisamar wurden im Februar und Mai 2026 bereits zwei Workshops durchgeführt, ein dritter ist für Juni geplant. Insgesamt nahmen dort zehn Frauen aus Afghanistan, Argentinien, Peru und der Ukraine teil.
Die Workshops kombinierten verschiedene Elemente der Stärkung und Orientierung:
- Biografiearbeit und Storytelling
- Erkennen persönlicher Stärken und Kompetenzen
- Berufliche Zielsetzung
- Teamarbeit und Zusammenarbeit
- Selbstbewusste Kommunikation
- Sowie Deutsch für berufliche Kontexte
In Reflexionsübungen, Brainstormings und Gruppenarbeit wurden die Teilnehmerinnen ermutigt, Erfahrungen zu teilen und neue berufliche sowie persönliche Perspektiven zu entwickeln.
In den sehr positiven Rückmeldungen wurde besonders die Atmosphäre in den Workshops hervorgehoben. Viele Frauen betonten, wie wichtig ein sicherer und unterstützender Lernraum für sie war, in dem sie andere Frauen mit ähnlichen Erfahrungen treffen, ihre Deutschkenntnisse verbessern und gleichzeitig an beruflicher Orientierung und Selbstvertrauen arbeiten konnten.
Der ProfilPASS und die Trainingsmaterialien wurden als besonders hilfreiche Werkzeuge zur Selbstreflexion und Zukunftsplanung geschätzt. Teilnehmende bei Wisamar äußerten zudem Interesse an einer Vertiefung des praktischen Beschäftigungsbezugs – etwa durch Workshops zu Lebenslaufgestaltung, Portfolio-Arbeit und Bewerbungsgesprächen.


Zypern: Flexibles Lernen und nachhaltige Begleitung
In Zypern wurde das EmpowerHer-Training in Nikosia durch unseren Partner Centre for Competence Development Cyprus (COMCY) umgesetzt.
Zwei Trainings fanden am 12. Oktober und am 1. März statt, an denen insgesamt zwölf Migrantinnen mit unterschiedlichen Hintergründen teilnahmen, die ihre Beschäftigungs- und Integrationskompetenzen stärken wollten.
Um besser auf die Bedürfnisse und zeitlichen Möglichkeiten der Teilnehmerinnen einzugehen, wurde die erste Sitzung vollständig in Präsenz durchgeführt, während die zweite im hybriden Format stattfand – für mehr Flexibilität und Zugänglichkeit.
Die Workshops kombinierten interaktive und praxisorientierte Methoden mit:
- dem EmpowerHer-Trainingsprogramm
- der Projekt-Web-App
- Gruppendiskussionen
- Reflexionsübungen zu Kompetenzen
- sowie der ProfilPASS-Methodik
Im Fokus standen zentrale Kompetenzen wie Kommunikation, digitale Grundkompetenzen, Selbstwahrnehmung, Selbstvertrauen und berufliche Planung.
Das Feedback war durchweg positiv. Die Teilnehmerinnen berichteten von mehr Selbstvertrauen, verbesserten praktischen Fähigkeiten und einer wertschätzenden, unterstützenden Lernatmosphäre. Viele schätzten zudem die Möglichkeit, andere Frauen mit ähnlichen Herausforderungen und Zielen kennenzulernen.
Ein besonders erfreuliches Ergebnis: Einige Teilnehmerinnen setzen ihren Lernweg auch nach den Workshops fort – begleitet durch ein fortlaufendes Mentoring ihrer Trainerin Valerie Badilla.


Frankreich: Non-formales Lernen und digitale Kompetenzen für den Alltag
In Frankreich wurde in Zusammenarbeit mit dem Centre Social La Pépinière ein lokaler Workshop mit zwölf Migrantinnen durchgeführt.
Vom 19. bis 23. Januar nahmen die Teilnehmerinnen an einer Reihe non-formaler Bildungsaktivitäten teil, die auf dem Trainingsprogramm basierten und verschiedene Kompetenzen stärkten, darunter:
- Kommunikation
- interkulturelle Sensibilität
- Teamarbeit
- digitale Kompetenzen
Der Bereich digitale Kompetenzen war besonders gefragt, da viele Teilnehmerinnen ihre Sicherheit im Umgang mit digitalen Alltagswerkzeugen verbessern wollten. Im Fokus standen praxisnahe Anwendungen wie Videokonferenz-Tools und die Erstellung digitaler Lebensläufe – heute zentrale Fähigkeiten für Beschäftigungsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Woche war die Einführung des ProfilPASS. Bereits zu Beginn des Trainings vorgestellt, regte das Instrument die Teilnehmerinnen dazu an, ihre Erfahrungen, Kompetenzen und Ziele zu reflektieren und erste individuelle Lernwege zu entwickeln.
Darauf aufbauend entsteht nun die nächste Projektphase: Mini-Workshops zu spezifischen Kompetenzen, die von den Teilnehmerinnen selbst identifiziert wurden. Ziel ist es, noch stärker personalisierte und teilnehmerinnenorientierte Lernangebote zu schaffen.


Ein europäisches Projekt, viele Wege zur Stärkung
Die bisherigen Umsetzungen zeigen deutlich: Empowerment lässt sich nicht nach einem einzigen Modell gestalten.
Jeder lokale Workshop spiegelt die Realität, Bedürfnisse und Stärken der jeweiligen Teilnehmerinnen und Partnerorganisationen wider. Manche setzen stärker auf Sprachförderung, andere auf digitale Inklusion, berufliche Orientierung, Selbstvertrauen oder gegenseitige Unterstützung. Doch alle verfolgen dasselbe Ziel: Migrantinnen dabei zu unterstützen, ihre Kompetenzen zu erkennen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ihre persönliche und berufliche Zukunft aktiv zu gestalten.
Und dies ist erst der Anfang.
Weitere lokale Umsetzungen, inspirierende Geschichten und innovative Ansätze werden in den kommenden Kapiteln der EmpowerHer-Reise folgen.