Von Stefania Tudorache | APIDI, Portugal
Geflüchtete Frauen kommen mit Fähigkeiten, Ehrgeiz und großer Widerstandskraft nach Europa – und stehen dennoch oft vor erheblichen Herausforderungen auf dem Weg zu stabiler Beschäftigung. Strukturelle Hürden wie die fehlende Anerkennung von Abschlüssen, Sprachbarrieren, Betreuungsverpflichtungen oder eingeschränkter Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten erschweren ihre Integration in Arbeit und Selbstständigkeit. Europäische Studien machen diese Hindernisse deutlich sichtbar und zeigen zugleich eine zentrale Erkenntnis: Wenn gezielte Unterstützung vorhanden ist, gelingt geflüchteten Frauen der Schritt von einer vulnerablen Situation hin zu wirtschaftlicher Teilhabe oft erstaunlich schnell. Dabei werden sie zu wichtigen Impulsgeberinnen für die Erneuerung lokaler Arbeitsmärkte.

Praktische Wege zum Erfolg
Gut durchdachte und praxisnahe Maßnahmen machen den entscheidenden Unterschied. Mikrofinanzierungen und individuell zugeschnittene Beratung für Unternehmensgründungen haben beispielsweise vielen Menschen mit handwerklichen Fähigkeiten oder kleinen Gewerben geholfen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Ein eindrucksvolles Beispiel, das vom UNHCR vorgestellt wurde, zeigt einen afghanischen Schneider in Frankreich, der mithilfe eines Startkredits und Trainings der Organisation ADIE sein eigenes Nähatelier wieder eröffnen konnte. Der Fall verdeutlicht, dass kleine, flexible Darlehen in Kombination mit Mentoring nachhaltige Kleinstunternehmen ermöglichen können. Praxisbeispiele bestätigen damit auch eine zentrale wissenschaftliche Erkenntnis: Unternehmertum von geflüchteten Frauen hängt nicht nur von persönlicher Motivation und Eigeninitiative ab, sondern ebenso von unterstützenden Strukturen – etwa Zugang zu Weiterbildung, Beratung, Netzwerken und Finanzierungsmöglichkeiten.
Lösungen durch Politik und Unterstützung ausbauen
Staatliche und europäische Förderinstrumente spielen eine wichtige Rolle, weil sie erfolgreiche Ansätze verbreiten und skalieren können. Der Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) fördert weiterhin Projekte, die die Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen stärken – unter anderem durch Sprachförderung, berufliche Qualifizierung und Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sowohl auf Ebene der Mitgliedstaaten als auch über EU-Förderprogramme können politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger erfolgreiche lokale Initiativen in langfristige und übertragbare Modelle für Beschäftigung und Selbstständigkeit weiterentwickeln.
Auch Unternehmen und philanthropische Organisationen leisten zunehmend einen wichtigen Beitrag. Das Programm „The Human Safety Net“ der Generali-Gruppe und ihrer Partner hat Trainingsprogramme angekündigt, um Geflüchtete in mehreren Ländern gezielt in Arbeit zu bringen. Solche Kooperationen schaffen direkte Übergänge von Qualifizierung zu konkreten Stellenangeboten – besonders in Branchen mit Fachkräftemangel. Ebenso zeigen Mentoring-Programme und arbeitgeberorientierte Initiativen, wie wichtig die Beteiligung von Unternehmen ist. Firmen, die Mentorinnen und Mentoren bereitstellen oder gezielte Einstiegswege in Beschäftigung schaffen, eröffnen geflüchteten Frauen praktische Zugänge zu Arbeit und beruflichen Netzwerken.
Mentoring und gegenseitige Unterstützung gehören laut Studien zu den wirksamsten und zugleich kostengünstigsten Maßnahmen. Programme, die erfahrene Fachkräfte mit geflüchteten Frauen zusammenbringen, stärken Selbstvertrauen, vermitteln Wissen über lokale Arbeitskulturen und verbessern die Chancen bei der Jobsuche. Das „Entrepreneurial Refugee Network“ (TERN) und ähnliche Initiativen im Vereinigten Königreich zeigen, dass individuelles Mentoring in Kombination mit rechtlicher und finanzieller Beratung den Weg von der Geschäftsidee zum eigenen Einkommen deutlich beschleunigen kann. Mentoring macht Potenziale konkret nutzbar – etwa bei Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen, Buchhaltung oder den sozialen Kompetenzen, die Arbeitgeber erwarten.
Lokale Initiativen wie das EmpowerHer-Projekt setzen genau hier an: Durch berufsbezogene Sprach- und Weiterbildung, innovative digitale Werkzeuge und die Qualifizierung von Erwachsenenbildnerinnen entstehen niedrigschwellige Zugänge zu Beschäftigung und Selbstständigkeit für Migrantinnen.

Erkenntnisse aus der Forschung
Politische Analysen und wissenschaftliche Studien zeigen deutlich, dass sich geschlechtersensible Integrationsmaßnahmen langfristig auszahlen. Der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments betont, dass Arbeitsmarktprogramme besonders erfolgreich sind, wenn sie gezielt auf Hindernisse eingehen, mit denen Frauen konfrontiert sind – etwa Kinderbetreuung, Anerkennung von Abschlüssen oder flexible Weiterbildungszeiten. Auch der Jahresbericht des UNHCR unterstreicht, dass soziale und wirtschaftliche Teilhabe entscheidend für nachhaltige Perspektiven geflüchteter Menschen ist.
Während der COVID-19-Pandemie standen geflüchtete Frauen erneut vor verschärften Herausforderungen: Weiterbildungen wurden unterbrochen, Beratungsangebote geschlossen und soziale Kontakte eingeschränkt. Eine Studie über geflüchtete Frauen und Unterstützungsorganisationen in dieser Zeit zeigt jedoch auch, wie flexibel und innovativ reagiert wurde. Digitale Lernangebote wurden schnell ausgebaut, Unterstützungsnetzwerke verlagerten sich ins Internet und hybride Lernformate entstanden, um Integrationsprozesse fortzuführen. Diese Anpassungsfähigkeit verdeutlicht sowohl die Resilienz geflüchteter Frauen als auch die Bedeutung flexibler Förderprogramme.
Auch individuelle Erfolgsgeschichten machen die Wirkung gezielter Qualifizierung sichtbar. In Uganda nahm die kongolesische Geflüchtete und sechsfache Mutter Angelique Kahindo am ILO-PROSPECTS-Projekt teil, nachdem sie lange mit unzureichenden Lebensmittelrationen überlebt hatte. Durch eine Ausbildung im Schneidern sowie Kurse in Marketing, Buchhaltung und Kundenservice konnte sie ihre eigene Werkstatt eröffnen. Heute versorgt sie ihre Familie selbstständig und ermöglicht ihren Kindern den Schulbesuch – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Qualifizierung und wirtschaftliche Chancen Würde und Selbstständigkeit stärken können.

Praktische und gezielte Veränderungen
Insgesamt zeichnen die Beispiele und Studien ein klares Bild davon, welche Maßnahmen besonders wirksam sind: kleine Finanzierungsmodelle in Kombination mit Coaching, um Fähigkeiten in funktionierende Kleinstunternehmen umzuwandeln; der Ausbau frauenspezifischer Trainings- und Vermittlungsprogramme über EU-Fördermittel wie AMIF; stärkere Einbindung von Unternehmen und Verbänden, um branchenspezifische Qualifizierung und konkrete Einstiegswege in Beschäftigung anzubieten; sowie Mentoring und rechtliche Beratung, damit Frauen bürokratische Anforderungen wie Registrierung, Steuern oder Zertifizierungen sicher bewältigen können. Entscheidend sind dabei Unterstützungsangebote, die wirtschaftliche, soziale und psychologische Aspekte von Empowerment miteinander verbinden.
Vom Überleben zum Erfolg
Geflüchtete Frauen verändern bereits heute lokale Wirtschaftsräume: Sie eröffnen Werkstätten neu, gründen Kleinstunternehmen, schließen Fachkräftelücken und bringen neue Dienstleistungen in ihre Nachbarschaften. Die Erkenntnisse daraus sind klar und dringlich. Gezielte Förderung, praktische Finanzierungsmöglichkeiten, die Einbindung von Unternehmen und Mentoring können Barrieren in echte Chancen verwandeln. Für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, NGOs und Arbeitgeber bedeutet das vor allem eines: Erfolgreiche Maßnahmen müssen ausgeweitet werden, damit noch mehr geflüchtete Frauen den Weg vom bloßen Überleben hin zu echter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Teilhabe schaffen – zum Vorteil von Familien, Gemeinschaften und dem europäischen Arbeitsmarkt.
Referenzen:
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